Bahnhofsviertel - Neues Mega-Hotel-Projekt

Ein Teil der Eschenpassage in Taufkirchen hat den Besitzer gewechselt. Wie der Investor “Residia Gruppe” mitteilt, hat er mehrere Gewerbeimmobilien an ein Münchner “Family Office” veräußert. Die Objekte umfassten Einzelhandels-, Ärzte- sowie Büroflächen. Die Residia-Gruppe hatte sie 2015 erworben. Als Grund für den Verkauf nannte das Unternehmen “strategische Gründe”, man wolle sich auf Neubauprojekte konzentrieren.

Immer neue Hotel-Pläne im Bahnhofsviertel machen alteingesessenen Hoteliers Sorgen. Eins der geplanten Projekte könnte Wohnraum vernichten, bei einem anderen ist ein bekannter Club bedroht: Das Harry Klein.

Mehrere große Hotelprojekte im Mittelklasse-Bereich sind in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof geplant. Und das in jenem Viertel, das eh schon die höchste Hotelbetten-Dichte ganz Europas hat. „Wenn die Projekte so umgesetzt werden, werden etablierte Häuser schließen müssen“, warnen Sonja Lutz vom Helvetia Hotel, Imke Heidenstecker vom Hotel Haberstock, Sebastian Sebald vom Schiller 5 und Conrad Mayer vom Conrad-Hotel de Ville. Ein Projekt würde – wenn es die Stadt genehmigt – sogar Wohnraum vernichten. Bei einem anderen könnte es sein, dass einer der bekanntesten Clubs der Stadt weichen muss: das Harry Klein.

Hotel bedroht Wohnraum – Schillerstraße 3 und 3a

An der Schillerstraße 3 und 3a soll ein großes Hotel entstehen: Die Häuser hat der Projektentwickler Concrete Capital I gekauft. Dahinter steht der Immobilien-Unternehmer, Investor und Rennfahrer Hubert Haupt. An der Firma beteiligt ist die Hotelkette Motel One – und ein eben solches Hotel mit 280 Zimmern soll auch in der Schillerstraße gebaut werden, wie Haupt bestätigt. Er sagt: „Die Baugenehmigung wird in Kürze beantragt.“

Die Kette betreibt bereits neun Häuser in und um München, dasjenige in der Schillerstraße wäre neben dem am Sendlinger Tor das zentralste. Es soll aus einem Vorderbau mit sieben und einem Rückbau mit sechs Stockwerken bestehen. Brisant: Derzeit sind laut Sozialreferat auch Wohnungen in dem Komplex untergebracht, nämlich in der Schillerstraße 3.

„Hier greift die Zweckentfremdungssatzung. Generell ist Abreißen verboten“, erklärt Edith Petry vom Sozialreferat. Ein Abriss könne nur in Ausnahmefällen genehmigt werden: „Etwa, wenn man entsprechenden Ersatzwohnraum schafft.“ Und genau das hat Concrete Capital I offenbar vor. Die Zweckentfremdungssatzung werde eingehalten, betonen Hubert Haupt und sein Geschäftsführer Peter Fritsche: „An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass wir in Neuperlach über 100 Mietwohnungen, darunter auch geförderte Wohnungen, errichten.“ Dem Vernehmen nach versucht das Unternehmen derzeit schon, den Komplex mieterfrei zu bekommen – auch mit anwaltlicher Hilfe. Concrete-Capital-Chef Hubert Haupt steht nicht das erste Mal in den Schlagzeilen: 2012 hatte er versucht, Mieter aus einem von ihm gekauften Haus in der Blütenstraße 8 zu vertreiben. Letztendlich gab es aber eine Einigung – und die Mieter durften bleiben!

Hotels in München: Schon jetzt Überangebot

Conrad Mayer ist nicht nur selbst Hotelier, sondern auch Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. „Und in dieser Funktion habe ich bereits im Herbst ­davor gewarnt, dass es schon jetzt zu viele ­Hotelbetten in München gibt“, sagt er. Es sei nicht mehr der Markt, der Betten fordere, sondern der Investor. Wenn nichts passiere werde es auf Dauer immer extremere Preise und keine kleinen, inhabergeführten Hotels mehr geben. Mayer: „Es muss mal jemand aufwachen“.

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